ZOOM-Funktion empfehlenswert

Posted by Sascha on April 14th, 2011 under onTOUR
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Erlebniswelten statt trister Zoolandschaft

Vom Ruhrpott nach Alaska, dann weiter über Afrika ins ferne Asien – und das alles in gerademal fünf Stunden. Sowas geht natürlich nur auf dem Papier. Oder in Gelsenkirchen, wo die ZOOM Erlebniswelt ihren Besuchern einen Zoorundgang der etwas anderen Art ermöglicht.

Die ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen ging 2005 aus dem ehemaligen Ruhr-Zoo hervor, den die Betreibergesellschaft GEW über mehrere Jahre hinweg radikal umstrukturiert hatte. Das kostspielige Projekt – bis zur endgültigen Fertigstellung im März dieses Jahres beliefen sich die Kosten auf über 90 Millionen Euro – hatte klare Ziele: einerseits die artgerechte Haltung der Tiere, andererseits das einmalige Zooerlebnis für die Besucher.

Mit Liebe zum Detail

Zur Eröffnung im Jahr 2005 war zunächst nur eine von drei Erlebniswelten, nämlich Alaska, realisiert worden. Afrika folgte 2006, Asien ist seit diesem Jahr für die Besucher zugänglich. Doch schon mit der Erlebniswelt Alaska werden die ersten Besucher erkannt haben, dass sich die ZOOM Erlebniswelt von anderen Zoos der Region unterscheidet: Der Rundweg ist natürlicher gestaltet und führt nicht einfach an Tierkäfigen vorbei. Er umläuft die teilweise sehr großzügigen Gehege, so dass sie von mehreren Seiten eingesehen werden können.

Die Erlebniswelt Alaska wurde – wie auch die später fertig gestellten Areale – mit viel Liebe zum Detail geschaffen, was dem ganzen zusätzlichen Charm verleiht. Dafür stehen zum Beispiel originalgetreue Warnschilder und Requisiten, wie man sie in Alaska vermuten würde. Kurz bevor man glaubt, in den nordischen Wäldern zu stehen, holt einen die Ralität des Ruhrpotts allerdings schnell wieder ein (“Keeeerstin, lass den Scheiß. Dat Foto wird eh nix. Der Eisbär ist ja am A… der Welt”) – schließlich hat der Zoo das entsprechende Einzugsgebiet und lockt pro Jahr rund eine Millionen Besucher an. Gerade Familien bietet die ZOOM Erlebniswelt ein vielfältiges Angebot, darunter ausreichend Spielplätze und ein Streichelzoo.

Zurück nach Alaska: Wie in anderen Zoos, gibt es auch in der ZOOM Erlebniswelt regelmäßige Fütterungen, die von den Tierpflegern mit kurzen Vorträgen über die jeweiligen Tiere begleitet werden. Somit verzichten die Pfleger auch darauf, beispielsweise die Seelöwenfütterung als Dressur zu präsentieren, wie man es andernorts öfter zu sehen bekommt. Dabei musss niemand befürchten, die Tiere würden nicht beschäftigt. Der gläserne Tunnel unter dem Becken dient sicher nicht nur der Tierbeobachtung, sondern weckt auch die Neugier der Tiere.

Kleiner Zoo ganz groß

Das Konzept der ersten Erlebniswelt wurde in den folgenden Jahren konsequent weiter geführt, was besonders der afrikanische Abschnitt demonstriert. 14 Hektar wurden hier in weitläufige Gehege umgewandelt, wo nach dem Vorbild der Savanne Antilopen, Zebras und Geier zusammen leben. Teil der artgerechten Haltung ist in diesem Zusammenhang auch der Verzicht auf Elefanten. Wurde im Ruhr-Zoo noch ein einzelner Elefant gehalten, konzentriert sich die ZOOM Erlebniswelt auf weniger Tierarten, die dafür mehr Platz haben.

Tierbestand und Platzangebot belegen die Unterschiede zu anderen Zoos womöglich am besten: Mit etwa 100 Tierarten und insgesamt 700 Tieren ist die ZOOM Erlebniswelt vergleichsweise klein. Eine Gesamtfläche von über 30 Hektar macht den Gelsenkirchener Zoo jedoch zum größten in der Region. Das schlägt sich auch ein der Aufenthaltsdauer nieder. Über fünf Stunden waren wir in den Erlebniswelten unterwegs, weil man wie selbstverständlich auch von der anderen Seite nochmal das gleiche Gehege beobachtet.

Wenn die Warteschlange nicht zu lang ist, lohnt in der größten Erlebniswelt auch eine Bootsfahrt durch die afrikanische Landschaft. Vorbei an Pavianen, Flamingos und anderen Bewohnern der Savanne, die man zuvor vom Rundweg aus sehen konnte, erlaubt die Tour mit der “African Queen” Blicke aus weiteren Perspektiven. Hier ist der Hinweis angebracht, dass sich eine zoomstarke Kamera in der Zoomerlebniswelt wirklich bezahlt macht.

Mit der Erlebniswelt Asien haben wir unseren Rundgang beendet. Sie ist kleiner als die ersten beiden und konzentriert sich auf nur wenige Außengehege, wie die der Orang-Utans oder Trampeltiere. Herzstück dieser Anlage ist hingegen das 4.500 m² große Tropenhaus, in dem leider noch teilweise an Gehegen gebaut wurde. Grundgedanke dieser Landschaft ist aber, dass die Vögel, Flughunde und manche Reptilien dort möglichs frei leben. Deshalb also aufpassen, dass nicht plötzlich eine Schildkröte den Weg kreuzt.

Zoo mit Vorbildcharakter?

Ein kritischer Blick auf das Geschehen lässt am Ende eines jeden Zoobesuchs die Frage offen, wie eine Tierhaltung in dieser Form artgerecht sein kann. Für den Laien bleibt an dieser Stelle nur der Vergleich mit anderen Zoos. Natürlich behauptet jeder Tierpark, seinen Tieren nur das Beste zu bieten, was für einzelne Tierarten auch oftmals zutreffen mag. Doch immer wieder entdeckt man etwas stiefmütterlich behandelte Käfige, in denen Tiere sitzen, die sichtlich unzufrieden sind.

In der ZOOM Erlebniswelt hatten wir einen besseren Eindruck. Wenn die Tiere nicht gerade faul in der heißen Sonne lagen, waren sie lebhaft und mit ihren Artgenossen beschäftigt. Dieser Eindruck sowie diverse Zuchterfolge – der Zoo nimmt 22 Tierarten an Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen teil – bestätigen die Arbeitsphilosophie der ZOOM Erlebniswelt und dienen  hoffentlich als Vorbild für andere Zoos.

Die Website des Zoos stellt weitere Informationen wie Öffnungszeiten, Preise und Lagepläne zur Verfügung.

How do I pronounce “Worcester”?

Posted by Sascha on Januar 6th, 2011 under Netzfundstücke, onLIFE
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Tücken der englischen Sprache

Kürzlich in London ist es mir wieder aufgefallen: Ich habe Englisch studiert, beherrsche die meisten grammatischen Regeln und kann mich, gemessen an der relativ geringen Sprachpraxis, ganz gut verständigen. Dennoch: Spätestens an der Tube Station “Glocester Road” wurde mir klar, dass ich die Sprache immer wieder neu entdecken werde. Die Dame auf dem Band hat mir schließlich bestätigt, dass es sich mit der Aussprache dieser Straße ähnlich verhält wie mir der allseits bekannten Worcester Soße (“Jung, reich mir mal die Wortchästa Soße”).

Günther Oettinger hat einst anschaulich demonstriert, wie man Englisch nicht spricht. Das war damals durchaus amüsant, hat aber für groß Teile der Bevölkerung einen ernsten Hintergrund. Längst nicht jeder hatte die Chance, Englisch, wenn überhaupt, wirklich gut zu lernen. Da sind Fehler vorprogrammiert. Korrektur ist angebracht, belustigende Kritik nicht – schon gar nicht, wenn es um das Thema Aussprache geht. Im Gegensatz zur Grammatik gibt es hier nämlich kaum klare Regeln. Das mag daran liegen, dass Englisch von etwas zu vielen Sprachgruppen mit Vokabular beliefert wurde, ist aber nunmal nicht zu ändern. In solchen Fällen erinnere ich mich gerne an ein Gedicht, das mir im Studium untergekommen ist. Es zeigt mehr als deutlich, dass es (ohne jahrelange Sprachpraxis) unmöglich scheint, jedes Wort korrekt auszusprechen. Klare Regeln sucht man nämlich vergeblich. Da ich mir selbst nicht zutrauen würde, das Gedicht fehlerfrei vorzulesen, überlasse ich diese Aufgabe anderen:

Und hier das ganze zum Mitlesen (Teile des Gedichts gibt es hier in IPA-Schrift) :

The Chaos

by Dr. Gerard Nolst Trenité (1870-1946)

Dearest creature in creation,
Study English pronunciation.
I will teach you in my verse
Sounds like corpse, corps, horse, and worse.
I will keep you, Susy, busy,
Make your head with heat grow dizzy.
Tear in eye, your dress will tear.
So shall I! Oh hear my prayer.

Just compare heart, beard, and heard,
Dies and diet, lord and word,
Sword and sward, retain and Britain.
(Mind the latter, how it’s written.)
Now I surely will not plague you
With such words as plaque and ague.
But be careful how you speak:
Say break and steak, but bleak and streak;
Cloven, oven, how and low,
Script, receipt, show, poem, and toe.

Hear me say, devoid of trickery,
Daughter, laughter, and Terpsichore,
Typhoid, measles, topsails, aisles,
Exiles, similes, and reviles;
Scholar, vicar, and cigar,
Solar, mica, war and far;
One, anemone, Balmoral,
Kitchen, lichen, laundry, laurel;
Gertrude, German, wind and mind,
Scene, Melpomene, mankind.

Billet does not rhyme with ballet,
Bouquet, wallet, mallet, chalet.
Blood and flood are not like food,
Nor is mould like should and would.
Viscous, viscount, load and broad,
Toward, to forward, to reward.
And your pronunciation’s OK
When you correctly say croquet,
Rounded, wounded, grieve and sieve,
Friend and fiend, alive and live.

Ivy, privy, famous; clamour
And enamour rhyme with hammer.
River, rival, tomb, bomb, comb,
Doll and roll and some and home.
Stranger does not rhyme with anger,
Neither does devour with clangour.
Souls but foul, haunt but aunt,
Font, front, wont, want, grand, and grant,
Shoes, goes, does. Now first say finger,
And then singer, ginger, linger,
Real, zeal, mauve, gauze, gouge and gauge,
Marriage, foliage, mirage, and age.

Query does not rhyme with very,
Nor does fury sound like bury.
Dost, lost, post and doth, cloth, loth.
Job, nob, bosom, transom, oath.
Though the differences seem little,
We say actual but victual.
Refer does not rhyme with deafer.
Foeffer does, and zephyr, heifer.
Mint, pint, senate and sedate;
Dull, bull, and George ate late.
Scenic, Arabic, Pacific,
Science, conscience, scientific.

Liberty, library, heave and heaven,
Rachel, ache, moustache, eleven.
We say hallowed, but allowed,
People, leopard, towed, but vowed.
Mark the differences, moreover,
Between mover, cover, clover;
Leeches, breeches, wise, precise,
Chalice, but police and lice;
Camel, constable, unstable,
Principle, disciple, label.

Petal, panel, and canal,
Wait, surprise, plait, promise, pal.
Worm and storm, chaise, chaos, chair,
Senator, spectator, mayor.
Tour, but our and succour, four.
Gas, alas, and Arkansas.
Sea, idea, Korea, area,
Psalm, Maria, but malaria.
Youth, south, southern, cleanse and clean.
Doctrine, turpentine, marine.

Compare alien with Italian,
Dandelion and battalion.
Sally with ally, yea, ye,
Eye, I, ay, aye, whey, and key.
Say aver, but ever, fever,
Neither, leisure, skein, deceiver.
Heron, granary, canary.
Crevice and device and aerie.

Face, but preface, not efface.
Phlegm, phlegmatic, ass, glass, bass.
Large, but target, gin, give, verging,
Ought, out, joust and scour, scourging.
Ear, but earn and wear and tear
Do not rhyme with here but ere.
Seven is right, but so is even,
Hyphen, roughen, nephew Stephen,
Monkey, donkey, Turk and jerk,
Ask, grasp, wasp, and cork and work.

Pronunciation — think of Psyche!
Is a paling stout and spikey?
Won’t it make you lose your wits,
Writing groats and saying grits?
It’s a dark abyss or tunnel:
Strewn with stones, stowed, solace, gunwale,
Islington and Isle of Wight,
Housewife, verdict and indict.

Finally, which rhymes with enough –
Though, through, plough, or dough, or cough?
Hiccough has the sound of cup.
My advice is to give up!

Netzfundstücke: Im Schnee von A nach B

Posted by Sascha on Dezember 22nd, 2010 under Netzfundstücke
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Die Bahn rät also, auf Zugreisen zu verzichten. Wenn die kommenden Winter ähnlich aussehen oder noch härter werden, lohnt es sich vielleicht, in einen Schneepflug zu investieren:

Währenddessen im Straßenverkehr:

Aber es geht auch schneller:

Das Schöne am Winter ist aber doch die Tatsache, dass er auch wieder endet.

Wenn man keine Ahnung hat, …

Posted by Sascha on November 25th, 2010 under onLIFE
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… einfach mal trotzdem aufregen.

Alle Jahre wieder: Es gab einen Kommentar zum Thema Funktionsbekleidung. Vor einiger Zeit stürzten sich die Schreiberlinge auf ökologische und moralische Werte in der Outdoor-Industrie. Moritz Honert widmet sich nun der Stilfrage – bleibt dabei aber sehr einseitig. Ob das an der Einstellung zum Thema liegt oder an mangelnder Recherche, weiß ich nicht. Ich hätte auf der verlinkten Seite einen Kommentar hinterlassen, aber dafür registrieren…? Wie dem auch sei, mein Kommentar folgt hier.

Pauschal in einen Topf geworfen

Zurück zur Stilfrage: Jedem, auch Herrn Honert, müssen wir eine eigene Meinung zugestehen. Wenn er Outdoor-Bekleidung als Stilbruch einstuft, ist das sein gutes Recht. Ich denke auch, dass sie in vielen Fällen optisch unangemessen ist. Ich trage sie dennoch, solange es der Anlass nicht verbietet. Zum einen, weil sie mich warm und trocken halten, zum anderen, weil sie mir gefällt. Letzteres ist natürlich Geschmacksache, aber ich greife auch keine Schlipsträger an, nur weil ich es selbst vermeide, eine Krawatte oder schicke schwarze Schuhe zu tragen. Für mich (und viele andere Träger) gibt es nämlich einen dritten Grund, der für Outdoor-Bekleidung spricht: Tragekomfort. Vielleicht liegt das auch im Auge des Betrachters, aber als langjähriger Verkäufer der hier diskutierten Produkte, weiß ich, dass sehr viele Betrachter/Kunden diese Meinung teilen.

Aber: Ich bezweifle, dass Herr Honert überhaupt weiß, wovon er da spricht. Er sieht am Alex unzählige gelbe Tatzen und zieht Rückschlüsse, die nicht zwangsläufig stimmen müssen. Natürlich ist der Hersteller mit dem Pfotenabdruck Deutschlands größter, aber sicher nicht, weil er sich explizit an Outdoor-Fanatiker wendet, die ihre Naturverbundenheit ausdrücken möchten. Werbung in der Bundesliga spricht offensichtlich auch eine andere Klientel an, um nur ein Beispiel zu nennen. Wer wachsen will braucht eben neue Zielgruppen. Das gilt sicher auch für den ein oder anderen amerikanischen Hersteller. Vermutlich hat Herr Honert im Zuge seiner unzureichenden Recherchen nur oberflächliche Blicke in die einschlägigen Geschäfte geworfen. Ich gehe nämlich nicht davon aus, dass er die Produktpalette etwas genauer unter die Lupe genommen, geschweige denn die Kundenstruktur analysiert hat. Das Thema ist in beiden Bereichen zu vielschichtig, als dass man es in einem Kommentar pauschal zusammen fassen könnte.

Kunde ist nicht gleich Kunde

Herr Honert hat in seinen Ausführungen auch Treffer gelandet. Es gibt Kunden, die vielleicht so etwas wie Naturverbundenheit ausdrücken wollen. Diese Kunden verbringen aber auch viel Zeit in der Natur, wo die Bekleidung erwiesenermaßen ihre Berechtigung hat. Diese Kunden wissen folglich, wie gut die Klamotten funktionieren. Warum sollen sie davon also nicht auch im Alltag profitieren, wenn sie bei -10°C am Bahnsteig stehen? Wer 400 Euro für eine Jacke ausgibt, möchte sie auch tragen. Vielleicht meint Herr Honert aber auch die Menschen, für die Naturverbundenheit eine Lebenseinstellung ist, gerne abfällig als Ökos bezeichnet. Ja, auch die kaufen in Outdoor-Geschäften ein. Herr Honert würde sich aber wundern, wenn er wüsste, wie viele dann auch nach Produktionsbedingungen, Materialien und ökologischer Ausrichtung der Hersteller fragen. Die Tendenz ist nach meiner Erfahrung steigend. Ich befürchte, dass solche Fragen in der herkömmlichen Modeindustrie selten gestellt werden.

Als Düsseldorfer kenne ich selbstverständlich auch die Kundengruppe derer, die eine sündhaft teure Jacke kaufen, um sie ausschließlich auf der Kö zu tragen. Da wird weder nach dem Preis gefragt, noch nach der Herkunft des Produkts. Es ist eben in, eine hochpreisige und -wertige Jacke mit überdimensioniertem Label zu tragen. Wo ist aber der Unterschied zum geschäftlichen Alltag? Dort werden Angestellte schief angesehen, wenn sie einen nicht perfekt sitzenden Anzug tragen, weil dieser zu viel gekostet hätte. Wer es sich aber leisten kann, gibt bei den allseits bekannten Modelabels genauso viel Geld aus, wie andere im Fachgeschäft für Outdoor-Bekleidung. Herr Honert hinterfragt auch nicht, welcher Einzelhändler an seinem Produkt mehr verdient.

Viele Geschmäcker, viele Produkte

Dann sind da noch die Hersteller mit ihrer Produktentwicklung. Jack Wolfskin, Vaude und Co. schneidern schon lange nicht mehr Klamotten, die ausschließlich outdoor eingesetzt werden. Sie entwerfen Jacken, die den Leuten gefallen sollen, eben damit sie auch in der Stadt getragen werden. Viele dieser Modelle würde ein ambitionierter “Outdoorer” allerdings gar nicht im harten Einsatz tragen – zu modisch, nicht robust genug oder sogar nicht ausreichend funktional. Das heißt, die Hersteller erschließen schlichtweg neue Zielgruppen, indem sie Mode nach ihrem Verständnis kreieren. Wie sehr das am Ende gefällt ist, wie schon gesagt, Geschmacksache. Wem das aber gefällt, der bekommt schicke Klamotten, die im Alltag bestens funktionieren. Damit will ich nicht sagen, dass es solche Klamotten bei eher modisch orientierten Labels nicht gibt. Der Anteil wird aber deutlich kleiner sein.

Zum Thema Plastik. Da liegt Herr Honert natürlich in vielen Fällen richtig. Wer Stabilität UND Funktion sucht, wird sie meist nur in synthetischen Materialien finden. Das soll aber nicht heißen, dass natürliche Materialien bei den Outdoor-Fabrikanten außen vor bleiben. Unterwäsche und Oberteile aus Merinowolle finden immer mehr Anhänger, gerade weil das Material natürlich ist UND dabei Funktionen erfüllt. Icebreaker, Smartwool oder Woolpower – Kunstfasern haben bei diesen Vertretern keine Bedeutung. Sogar die ach so unfunktionale Baumwolle hat einen beachtlichen Stellenwert – sei es kombiniert mit Kunstfasern als stabileres Mischgewebe oder als tatsächlich funktionale Baumwolle in membranlosen, aber sehr wasserfesten Jacken. Wer nachschlagen möchte, das Material heißt EtaProof. Und dann sind da noch, die vielen Baumwoll-Klamotten , die wenig Funktion, aber hohen Tragekomfort bieten. Dort wird zudem verstärkt Baumwolle aus ökologischem Anbau verwendet. Nur so am Rande.

Stilfrage am Alex?

Aber was rede ich. Herr Honert hatte offensichtlich das Bedürfnis, einen Kommentar zu verfassen. Zu einem Thema, das ihm gerade jetzt, da es kälter wird, täglich ein Dorn im Auge ist. Mich würde interessieren, was er als angemessenen Stil am Alex bezeichnet. Ich bin kein großer Berlin-Kenner, glaube aber zu wissen, dass am Alex ganz unterschiedliche Menschen herum laufen – in Anzügen, in Funktionsbekleidung, aber auch im Hip-Hop-Dress oder als Punks. Das bietet Herrn Honert natürlich ausreichend Stoff für weitere Beiträge zur Stilfrage in deutschen Großstädten.

Wer einen solchen Kommentar wie Herr Hoonert schreibt, vertritt natürlich nur seine Meinung. Von Geschmack und Stildenken einer Gruppe darauf zu schließen, dass eine andere (vielleicht ähnlich große) Gruppe Stilbruch begeht, halte ich jedoch für gewagt. Sei es drum…

PS: Wellensteyn findet man übrigens weder in klassischen Outdoor-Geschäften noch als Aussteller auf der Leitmesse der Outdoor-Industrie.

Spiegel, Blinker und Gaspedal

Posted by Sascha on November 22nd, 2010 under onTOUR
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Oder: Wie gefährde ich meine Umwelt am schnellsten?

Sie können das sein, als was sie ursprünglich konzipiert waren – schnelle Verbindungsstraßen – oder sie erweisen sich als wahre Engpässe, in denen Autos hängen bleiben wie Kies in einem Flaschenhals. So unterschiedlich gut Autobahnen funktionieren, so unterschiedlich werden sie von ihren Nutzern wahrgenommen. Der eine findet auf den drei Spuren ohne Geschwindigkeitsbegrenzung unendliche Freiheit, der andere dagegen Stress pur, wenn ersterer im Rückspiegel auftaucht. Die Philosophien reichen praktisch von “möglichst schnell wieder abfahren” bis “möglichst lange schnell fahren”. Konflikte sind damit vorprogrammiert.

Zwischen den extremen Ansichten gibt es zu viele Verhaltensmuster, um sie hier alle aufzuführen. Es gibt jedoch grundlegende Gemeinsamkeiten: Jeder Verkehrsteilnehmer fährt auf eine Autobahn auf, passiert eine gewisse Strecke und fährt irgendwo wieder ab. Dieser Prozess bietet leider mehr Gestaltungsfreiraum, als ein friedliches Miteinander auf Autobahnen verträgt.

Wozu Rund-um-Blick? Schauen doch alle auf mich.

Ursache für die kleinen und großen Konfliktsituationen auf Autobahnen ist meiner Meinung der Irrglaube, dass jeder Verkehrsteilnehmer darauf achtet, was seine Vorder-, Neben- und Hintermänner und -frauen machen. Die Realität sieht aber wie so oft anders aus – entweder weil sich viele per se nicht um ihre Umwelt kümmern oder weil es nicht unbedingt offensichtlich ist, was andere mit ihrem Gefährt vorhaben. Man könnte öfter in den Rückspiegel schauen oder mit einem Lichtzeichen andeuten, wo man hin möchte. Die Kombination aus beidem wäre dabei ideal. Aber wenn wir ehrlich sind, ist das nur graue Theorie, wie viele Auffahrsituationen zeigen.

Exemplarisch sind hier zwei Klassiker zu nennen: Der eine fährt eindeutig zu langsam auf, hat deshalb Mühe, auf die rechte Spur zu kommen und behindert am Ende andere hinter ihm. Der andere fährt ausreichend schnell auf, blinkt dabei pflichtbewusst, nimmt das Blinken aber als Freibrief, gleich auf die linke Spur auszuscheren. Das Auto ist ja schnell genug – und die Hintermänner werden schon sehen, was er macht. Während der erste also noch versucht, zwischen zwei 40-Tonnern seinen Platz auf der rechten Spur zu finden, hängt sein schneller Verfolger längst einem links überholenden Kleinwagen auf der Stoßstange.

Schnell, schneller, angemessen

Die Beispiele sind erneut Extreme und abhängig von ganz vielen Faktoren. Die einen können mit ihrem Auto nicht schneller und wollen trotzdem mithalten. Die anderen können unangemessen schnell, beherrschen aber entweder das Auto nicht oder der Wagen ist dafür einfach nicht geschaffen – Stichwort Sprinter. Einer der Gründe für die stark unterschiedlichen Fahrweisen ist und bleibt das Thema Geschwindigkeit. Sie wird entweder nicht begrenzt oder Tempolimits werden missachtet. Folglich fahren die einen 80 bis 100 Kilometer pro Stunde während andere mit 160 (da ist der Führerschein ja oft nicht in Gefahr) oder schneller fast doppelt so schnell unterwegs sind.

Ein generelles Tempolimit würde sicher nicht alle Probleme lösen, aber wem würde es tatsächlich schaden? Ich fahre selbst gerne schnell, empfinde es aber als stressig, wenn die Autobahn nicht leer ist. Wer schnell fährt, muss schließlich auch öfter bremsen – mitunter härter. Wer möchte schon einem Vordermann in den Kofferraum fahren, weil dieser zum Überholen angesetzt hat, ohne vorher drüber nachzudenken. In weniger brenzligen Situationen schont das Bremsen immerhin noch den Geldbeutel – so ein Mindestabstand ist nämlich auch unbewusst schnell unterschritten, wie ich selbst bei einer eher niedrigen Geschwindigkeit lernen durfte.

Auf der Autobahn oder in der Stadt, jeder, der regelmäßig im Straßenverkehr unterwegs ist, hat selbst schon genügend erlebt, um mitreden zu können. Manch einer ist sich der Situation bewusst und passt auf sich und andere Verkehrsteilnehmer auf. Solange aber noch ausreichend Fahrer – ob zu schnell oder zu langsam – mit Scheuklappen unterwegs sind, werden große und kleine Unfälle zum Verkehrsalltag zählen, auch wenn man davon oft nur in den Staunachrichten hört.