ZOOM-Funktion empfehlenswert
Erlebniswelten statt trister Zoolandschaft
Vom Ruhrpott nach Alaska, dann weiter über Afrika ins ferne Asien – und das alles in gerademal fünf Stunden. Sowas geht natürlich nur auf dem Papier. Oder in Gelsenkirchen, wo die ZOOM Erlebniswelt ihren Besuchern einen Zoorundgang der etwas anderen Art ermöglicht.
Die ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen ging 2005 aus dem ehemaligen Ruhr-Zoo hervor, den die Betreibergesellschaft GEW über mehrere Jahre hinweg radikal umstrukturiert hatte. Das kostspielige Projekt – bis zur endgültigen Fertigstellung im März dieses Jahres beliefen sich die Kosten auf über 90 Millionen Euro – hatte klare Ziele: einerseits die artgerechte Haltung der Tiere, andererseits das einmalige Zooerlebnis für die Besucher.
Mit Liebe zum Detail
Zur Eröffnung im Jahr 2005 war zunächst nur eine von drei Erlebniswelten, nämlich Alaska, realisiert worden. Afrika folgte 2006, Asien ist seit diesem Jahr für die Besucher zugänglich. Doch schon mit der Erlebniswelt Alaska werden die ersten Besucher erkannt haben, dass sich die ZOOM Erlebniswelt von anderen Zoos der Region unterscheidet: Der Rundweg ist natürlicher gestaltet und führt nicht einfach an Tierkäfigen vorbei. Er umläuft die teilweise sehr großzügigen Gehege, so dass sie von mehreren Seiten eingesehen werden können.
Die Erlebniswelt Alaska wurde – wie auch die später fertig gestellten Areale – mit viel Liebe zum Detail geschaffen, was dem ganzen zusätzlichen Charm verleiht. Dafür stehen zum Beispiel originalgetreue Warnschilder und Requisiten, wie man sie in Alaska vermuten würde. Kurz bevor man glaubt, in den nordischen Wäldern zu stehen, holt einen die Ralität des Ruhrpotts allerdings schnell wieder ein (“Keeeerstin, lass den Scheiß. Dat Foto wird eh nix. Der Eisbär ist ja am A… der Welt”) – schließlich hat der Zoo das entsprechende Einzugsgebiet und lockt pro Jahr rund eine Millionen Besucher an. Gerade Familien bietet die ZOOM Erlebniswelt ein vielfältiges Angebot, darunter ausreichend Spielplätze und ein Streichelzoo.
Zurück nach Alaska: Wie in anderen Zoos, gibt es auch in der ZOOM Erlebniswelt regelmäßige Fütterungen, die von den Tierpflegern mit kurzen Vorträgen über die jeweiligen Tiere begleitet werden. Somit verzichten die Pfleger auch darauf, beispielsweise die Seelöwenfütterung als Dressur zu präsentieren, wie man es andernorts öfter zu sehen bekommt. Dabei musss niemand befürchten, die Tiere würden nicht beschäftigt. Der gläserne Tunnel unter dem Becken dient sicher nicht nur der Tierbeobachtung, sondern weckt auch die Neugier der Tiere.
Kleiner Zoo ganz groß
Das Konzept der ersten Erlebniswelt wurde in den folgenden Jahren konsequent weiter geführt, was besonders der afrikanische Abschnitt demonstriert. 14 Hektar wurden hier in weitläufige Gehege umgewandelt, wo nach dem Vorbild der Savanne Antilopen, Zebras und Geier zusammen leben. Teil der artgerechten Haltung ist in diesem Zusammenhang auch der Verzicht auf Elefanten. Wurde im Ruhr-Zoo noch ein einzelner Elefant gehalten, konzentriert sich die ZOOM Erlebniswelt auf weniger Tierarten, die dafür mehr Platz haben.
Tierbestand und Platzangebot belegen die Unterschiede zu anderen Zoos womöglich am besten: Mit etwa 100 Tierarten und insgesamt 700 Tieren ist die ZOOM Erlebniswelt vergleichsweise klein. Eine Gesamtfläche von über 30 Hektar macht den Gelsenkirchener Zoo jedoch zum größten in der Region. Das schlägt sich auch ein der Aufenthaltsdauer nieder. Über fünf Stunden waren wir in den Erlebniswelten unterwegs, weil man wie selbstverständlich auch von der anderen Seite nochmal das gleiche Gehege beobachtet.
Wenn die Warteschlange nicht zu lang ist, lohnt in der größten Erlebniswelt auch eine Bootsfahrt durch die afrikanische Landschaft. Vorbei an Pavianen, Flamingos und anderen Bewohnern der Savanne, die man zuvor vom Rundweg aus sehen konnte, erlaubt die Tour mit der “African Queen” Blicke aus weiteren Perspektiven. Hier ist der Hinweis angebracht, dass sich eine zoomstarke Kamera in der Zoomerlebniswelt wirklich bezahlt macht.
Mit der Erlebniswelt Asien haben wir unseren Rundgang beendet. Sie ist kleiner als die ersten beiden und konzentriert sich auf nur wenige Außengehege, wie die der Orang-Utans oder Trampeltiere. Herzstück dieser Anlage ist hingegen das 4.500 m² große Tropenhaus, in dem leider noch teilweise an Gehegen gebaut wurde. Grundgedanke dieser Landschaft ist aber, dass die Vögel, Flughunde und manche Reptilien dort möglichs frei leben. Deshalb also aufpassen, dass nicht plötzlich eine Schildkröte den Weg kreuzt.
Zoo mit Vorbildcharakter?
Ein kritischer Blick auf das Geschehen lässt am Ende eines jeden Zoobesuchs die Frage offen, wie eine Tierhaltung in dieser Form artgerecht sein kann. Für den Laien bleibt an dieser Stelle nur der Vergleich mit anderen Zoos. Natürlich behauptet jeder Tierpark, seinen Tieren nur das Beste zu bieten, was für einzelne Tierarten auch oftmals zutreffen mag. Doch immer wieder entdeckt man etwas stiefmütterlich behandelte Käfige, in denen Tiere sitzen, die sichtlich unzufrieden sind.
In der ZOOM Erlebniswelt hatten wir einen besseren Eindruck. Wenn die Tiere nicht gerade faul in der heißen Sonne lagen, waren sie lebhaft und mit ihren Artgenossen beschäftigt. Dieser Eindruck sowie diverse Zuchterfolge – der Zoo nimmt 22 Tierarten an Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen teil – bestätigen die Arbeitsphilosophie der ZOOM Erlebniswelt und dienen hoffentlich als Vorbild für andere Zoos.
Die Website des Zoos stellt weitere Informationen wie Öffnungszeiten, Preise und Lagepläne zur Verfügung.












