Sind wir Machtlos? Nicht ganz.
Wer fahren will, wird zahlen
Neulich rief die Facebook-Gemeinde zum Tank-Boykott auf. Für einen ganzen Tag am 1. März. Ohne Zahlen zu kennen, behaupte ich, dass die Tankstellen von diesem Boykott nicht viel bis gar nichts gemerkt haben. Und wenn doch, wurde am 2. März etwas mehr getankt. Die Preise sind demnach auch nicht gesunken. Im Gegenteil: Sie werden weiter steigen und die fahrende Bevölkerung verärgern. Zu Recht. Nur liegt es auch in der Hand eines jeden Autofahrers.
Der Kampf gegen steigende Spritpreise nimmt kein Ende. Aktuell geistert auf Facebook – in großen Lettern – ein erneuter Boykottaufruf herum:
Eine Woche lang nicht tanken. Das klingt ja schon viel ambitionierter. Allerdings sollen wir nur Aral meiden. Was wird passieren? Wir tanken bei anderen Anbietern. Die werden womöglich in den Folgewochen nach erneuten Aufrufen boykottiert, so dass jeder eine Woche lang weniger Umsatz hat, in den anderen Wochen dafür mehr. Vielleicht wird auch gar nichts passieren, weil keiner mitmacht.
Besonders originell finde ich am zweiten Aufruf der “Leidtragenden”, dass dieser Boykott nicht zu Lasten der Tankstellenpächter gehe. Die würden ja bekanntlich vom Nebengeschäft leben. Mit anderen Worten: Wir sollen nicht bei Aral tanken, aber extra hinfahren, um Lebensmittel zu kaufen oder einen Ölwechsel machen zu lassen. Ich sehe schon die nächsten Boykottaufrufe wegen zu hoher Lebensmittelpreise an Tankstellen…
Umdenken statt Boykott
Ich weiß nicht, ob wir gegen die Aufwärtsspirale bei den Spritpreisen machtlos sind und ich kenne auch keine unmittelbare Lösung, wie die Preisentwicklung gestoppt oder – besser noch – gekehrt werden kann. Ich weiß aber, dass die wiederkehrenden Boykottversuche keine Auswirkung haben werden. Der aktuelle Aufruf beantwortet die Frage nach dem Warum sogar selbst: “Wir, die auf das Auto angewiesen sind.” Es gibt nämlich genau diese Menschen, die aus diversen Gründen auf die täglichen Fahrten angewiesen sind. Sie werden dann tanken, wenn der Wagen Durst hat und, und sie werden dann die Preise zahlen, die ein Ölkonzern gerade nennt. Oder hat schon einmal jemand das Auto an der Tankstelle abgestellt mit dem Vermerk: “Komme wieder, wenn das Benzin billiger ist.”?
Da ich ebenfalls zur tankenden Bevölkerung gehöre, kann ich den Unmut etwas nachvollziehen – auch wenn ich nur alle paar Wochen an die Zapfsäule fahre. Mir ist aber auch jedesmal klar, dass ich noch weniger tanken könnte, wenn ich auf unnötige Fahrten verzichten würde. Dazu zählen zum Beispiel kurze Stadtfahrten, die den Verbrauch nur in die Höhe treiben, dem Motor allenfalls schaden und gerade im dichten Verkehr keine Zeitersparnis sind. Ich bin wohl nicht der einzige, der hin und wieder aus Bequemlichkeit ins Auto steigt. Wer weiß, wieviel Einsparpotenzial dort in der breiten Masse existiert…
Es bleibt natürlich ein Gesamtspritverbrauch im Straßenverker, der das Einkommen der Ölkonzerne sichern wird und sie sowie die Politik (sie trägt ja offensichtlich eine beachtliche Mitschuld) unter Umständen auch in der Preispolitik bestätigt. Was können also die Menschen tun, die täglich fahren müssen oder wollen?
Sparsamer fahren: Wer nicht schon auf einen niedrigen Spritverbrauch achtet, kann diesen mit Sicherheit reduzieren, solange das Auto nicht ausschließlich für Kurzstrecken genutzt wird. Aus eigener Erfahrung mit ganz unterschiedlichen Fahrzeugen weiß ich, dass der Verbrauch leicht um einen Liter gesenkt werden kann – wenn man drauf achtet.
Das nächste Auto mit weniger als 200 PS kaufen: Mir ist klar, dass viele “Leidtragende” bereits kleine und sparsame Autos fahren. Dennoch rollen einfach zu viele überflüssig hoch motorisierte Karossen durch die Stadt. Der Vorteil von 200 PS gegenüber 150 oder sogar noch weniger ist mir bis heute nicht ganz klar. Ich komme auch mit 90 PS bestens vom Fleck. Vom Fahrspaß sehe ich hier ab, weil der kontraproduktiv ist und sich im heutigen Verkehr zudem in Grenzen hält. Zum Thema dicke Autos gab es vor ein, zwei Wochen eine interessante Nachricht: Ein Phaeton-Fahrer musste an der Kasse pro Liter plötzlich acht Cent mehr zahlen. Die Preisangabe war wohl nicht korrekt gewesen. Der anschließende Streit resultierte darin, dass sein anwesender Vater einen Herzinfarkt erlitt und starb. Das ist in der Tat schrecklich, aber was für ein Theater muss das an der Kasse vorausgegangen sein? Jemand, der ein Auto für 70.000 € fährt und dann bei vier Euro an die Decke geht? Ich finde das, gelinde gesagt, peinlich.
Park & Ride: Auf langen Strecken schätze ich die Vorteile des Autos. Ich bin flexibel und kann den Wagen viel rollen lassen. Die Kilometerkosten bleiben dabei überschaubar. In der Stadt beginnen dagegen die Probleme. Stop-and-Go, verstopfte Straßen, wenig Parkplätze, Stress. Wir Städter kennen die Probleme. Und wer vom Kaff zu Besuch in die Stadt kommt, kennt sie wahrscheinlich auch. Der von vielen verteufelte ÖPNV (wer ihn noch nie genutzt hat und die Abkürzung nicht kennt, darf sie gerne googeln) ist da gar keine schlechte Lösung. Ehrlich. Busse und Straßenbahnen sind jedenfalls bei uns meistens pünktlich und wenn nicht, kommt bald die nächste Transportmöglichkeit. Wir reden hier nicht von Verspätungen wie im Fernverkehr. Einfach mal ausprobieren.
Wie sinnvoll diese Vorschläge sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Spritsparen und Co. sind auch keine sonderlich neuen Tipps. Es wäre natürlich auch wünschenswert, dass Konzerne und Politik den Autofahrern entgegenkommen. Aber können wir uns darauf verlassen? Tatsache ist: Wir können unsere Ausgaben für Benzin und Diesel durchaus beeinflussen: Sparen fängt beim Fahren an.













